Interview mit Bodo Ries – LichtRaum Petri

Die Idee hinter „Michelangelo IMMERSIV – eine multimediale Reise durch die Sixtinische Kapelle“

  1. Wann kam dir der Moment, in dem du wusstest: Diese Ausstellung muss Wirklichkeit werden?

Es gab einen Aha-Moment in Amsterdam, in der Ausstellung „The Endless Enigma“ über Salvador Dalí. Zwischen all den Werken tauchte plötzlich ein Bild aus Dalís „Biblia Sacra“ auf. Gleichzeitig standen Hunderte Menschen um mich herum und ließen sich davon begeistern. Da dachte ich: Genau das brauchen wir auch. Menschen berühren, begeistern und ihnen auf diese Weise biblische Geschichten neu nahebringen. Das ist ein Thema, das wir als Kirche bespielen sollten.

  1. Welche Emotionen sollen Menschen spüren, wenn sie die Ausstellung verlassen?

Sie sollen sich gesehen fühlen. Sie sollen merken: Ich bin gewollt. Ich bin kostbar. Gott hält den Menschen für unendlich wertvoll. Und sie sollen einfach glücklich nach Hause gehen, weil sie Michelangelo und die biblischen Geschichten auf eine neue Weise erlebt haben.

  1. Warum braucht gerade Herford dieses Projekt – und warum genau jetzt?

Viele Menschen sind auf Sinnsuche. Sie fragen sich, was unsere Gesellschaft noch zusammenhält. Mit dieser Ausstellung möchte ich Hoffnung geben und Gemeinschaft stärken. Der LichtRaum Petri selbst zeigt, was möglich ist, wenn Unternehmen, Stiftungen, Kirchen und Ehrenamtliche gemeinsam an einer Idee arbeiten.

  1. Was macht den LichtRaum Petri einzigartig?

Unsere Ausstellung findet in einer Kirche statt. Hier wurden über Generationen Menschen getauft, getraut und verabschiedet. Hier wurde gelacht, geweint, gehofft und gebetet. All das schwingt mit, wenn der Raum selbst zum Erzähler wird. Diese Tiefe kann man nur an einem solchen Ort erleben.

  1. Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Jetzt wird die Vision Wirklichkeit?

Ja. Als wir zum ersten Mal auf dem Boden der Kirche lagen, Michelangelos Fresken über uns erschienen und Leon Frederic Kleemeier dazu improvisierte. In diesem Moment merkte ich: Das berührt die Menschen. Jetzt entsteht hier wirklich etwas Großes. 

  1. Welches bewusste Risiko seid ihr eingegangen?

Natürlich die Investition. Aus 600.000 Euro wurden schließlich rund 840.000 Euro. Das ist mutig. Aber ich hatte irgendwann das Gefühl: Wenn dieses Projekt entstehen soll, dann braucht es genau dieses Vertrauen – und Menschen, die bereit sind, es mitzutragen.

  1. Warum ist gerade die Petrikirche der richtige Ort für Michelangelo?

Die reformierte Kirche kennt ihre Geschichte von Aufbrüchen und Widerständen. Das passt erstaunlich gut zu Michelangelo. Gleichzeitig steht hier die geöffnete Bibel im Mittelpunkt. Wenn wir diese Geschichten mit Licht, Musik und moderner Technik neu erzählen, dann ist die Petrikirche genau der richtige Ort.

  1. Welche drei Momente werden Besucher nie vergessen?

Den ersten Moment, wenn Musik und Licht den ganzen Raum verwandeln. Die Arche-Noah-Geschichte, in der die Kirche selbst Teil der Erzählung wird. Und das Finale, wenn Christus als Licht der Welt den ganzen Raum erfüllt.

  1. Was würde Michelangelo wohl sagen, wenn er eure Ausstellung sehen könnte?

Ich glaube, er würde sich verstanden fühlen. Er hat zu seiner Zeit immer die Grenzen des Machbaren verschoben. Ich hoffe, er würde sagen: Ihr nutzt die technischen Möglichkeiten eurer Zeit genauso mutig, wie ich es damals getan habe.

  1. Warum investiert eine Kirchengemeinde so viel Zeit und Geld in moderne Kunst und Technik?

Weil moderne Kunst und Technik wunderbare Möglichkeiten sind, die Botschaft von Gottes Liebe neu zu erzählen. Menschen können dabei die biblischen Geschichten entdecken – und vielleicht auch sich selbst.

  1. Welche Menschen möchtest du besonders erreichen?

Mich begeistert, dass wir plötzlich Menschen erreichen, mit denen wir als Kirche sonst kaum ins Gespräch kommen – Unternehmerinnen und Unternehmer, die Verantwortung tragen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Herforder sagen: Das ist unsere Stadt. Darauf können wir stolz sein.

  1. Welcher Satz eines Besuchers wäre für dich der schönste Erfolg?

„Jetzt verstehe ich Michelangelo – und das war echt eine coole Type.“